Friedrichshafen, 25.10.2012. - Der Einsatz von IT hat bereits viele Prozesse des Regierungs- und Verwaltungshandeln vereinfacht. Dass dieses Potential aber noch lange nicht ausgeschöpft ist, zeigen Forscher des Deutsche Telekom Institute for Connected Cities (TICC) an der Zeppelin Universität. In ihrem heute veröffentlichten Gutachten zu „Open Government Collaboration“ illustrieren sie, dass Internet und Web 2.0-Dienste die Zusammenarbeit verschiedener Akteure signifikant erleichtern können. Deshalb ist es nun auch möglich, die Zusammenarbeit für Dritte zu öffnen, zum Beispiel für Bürger, NGOs oder bisher unbeteiligte Behörden. Das eröffnet für den Staat die Möglichkeit, auf die Intelligenz und Kraft einer großen Menge Freiwilliger zurückzugreifen, die meist sogar unentgeltlich tätig werden.
Die technischen Mittel, die eine offene Zusammenarbeit ermöglichen, sind oft in der Verwaltung schon vorhanden, werden bisher aber nicht eingesetzt, um Dritte einzubinden. Die Forscher beschreiben zehn Ansatzpunkte, an denen eine solche Öffnung sinnvoll erscheint.
Hierzu zählen die gemeinsame Finanzierung (Crowd Funding), gemeinsames Wissensmanagement und die offene Projektarbeit mit virtuellen Arbeitsräumen. Eine Öffnung von Gremienarbeit stellt Transparenz über Aktivitäten und Entscheidungen her. Elektronische Aktensysteme vereinfachen die Zusammenarbeit in und zwischen Behörden. Analysiert werden zudem hoheitliche Pflichtaufgaben, ehrenamtliche Aufgaben und freiwillige Tätigkeiten. Eine Öffnung der Zusammenarbeit bietet sich auch bei der Begutachtung von zum Beispiel Patentanträgen und potentiellen Plagiaten an. Ebenfalls denkbar ist eine gemeinsame Evaluierung des Regierungs- und Verwaltungshandelns. Schließlich bietet die Beteiligung Dritter an Innovationsprozessen (offene Innovation) ein großes Potential, um gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen und Verwaltung zu modernisieren.
„Politik und Verwaltung haben jetzt noch die Chance, eigene Akzente für die Zusammenarbeit mit Bürgern und Einrichtungen der Zivilgesellschaft zu setzen“, betont Prof. Jörn von Lucke, Autor des Gutachtens. „In den kommenden Jahren werden immer mehr Bürger eine echte partnerschaftliche Zusammenarbeit von Regierung und Verwaltung einfordern.“
Das Gutachten steht zum kostenlosen Download bereit:
http://www.zu.de/deutsch/lehrstuehle/ticc/JvL-121025-OpenGovernmentCollaboration-V1.pdf
Des Deutsche Telekom Institute for Connected Cities (TICC) ist ein Institut der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Es ist angesiedelt im Fachbereich der managementorientierten Verwaltungs- und Politikwissenschaften (Department PMG). Ermöglich wurde die Gründung 2008 durch eine Stiftung der Deutsche Telekom AG. Ziel des Instituts ist es, Forschung und Lehre im Bereich der angewandten Informatik und der Verwaltungsmodernisierung zu stärken. Gründungsdirektor des TICC ist Prof. Dr. Jörn von Lucke. Unterstützt wird er von Prof. Dr. Dirk Heckmann.
Im Zentrum der Institutsarbeit steht das Zusammenspiel zwischen modernen Informations- und Kommunikationstechnologien und Stadtentwicklung. Dabei werden Potentiale für die stärkere soziale und technische Integration dieser Technologien identifiziert. Zusammen mit Partnern aus Forschung und Praxis entwickelt das TICC wegweisende Strategien, Modelle und Werkzeuge und begleitet deren Umsetzung. Diese enge Verzahnung von Forsche und Lehre mit der Anwendung ist für das gestaltungsorientierte Institut ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Quelle: Pressemitteilung der Zeppelin Universität
