Wie stellen sich Jugendliche ihr Leben mit einem oder mehreren “virtuellen Ichs” in der Zukunft vor? Das war die Leitfrage für den “Wettbewerb Digitale Identität 2020″, den der IT-Branchenverband BITKOM zusammen mit dem Verein “Deutschland sicher im Netz e.V.” ausgerichtet hat. Am 3. November überreichte die Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe, den Gewinnern des Wettbewerbs im Rahmen einer Abschlussveranstaltung in Berlin ihre Siegertrophäen. In ihrer Keynote stellte sie die Bedeutung des sensiblen Umgangs mit persönlichen Daten heraus.
Wer häufig im Internet unterwegs ist und viele Dinge des alltäglichen Lebens online erledigt, hat verschiedene digitale Identitäten. Im Internet können wir uns vielfach aussuchen, wer wir gerade sind. Hinter einer Online-Überweisung steckt ein anderes “virtuelles Ich” als hinter einem Profil in einem sozialen Netzwerk oder bei einem Online-Spiel. Selten bewegen wir uns anonym im Internet. Was zunächst scheinbar anonym wirkt, kann in vielen Fällen persönlich zugeordnet werden. Die Bereitstellung von Identitätsdaten und ihre Hinterlegung ist Normalfall im Netz. Eine besondere Bedeutung für die Sicherheit im Internet hat daher der Schutz der eigenen elektronischen Identität. “Wir sollten immer abwägen, welche Daten wir ins Netz stellen und auch den eventuellen Missbrauch mit bedenken”, sagte die Staatssekretärin vor rund 130 Zuschauern, darunter Schüler und Studenten sowie Vertreter von Unternehmen, die den Wettbewerb gesponsort haben.
80 Beiträge musste die Jury bewerten – sie alle beschäftigen sich mit der Zukunft der digitalen Identität und greifen Fragen auf wie: Was darf oder sollte man im Netz über sein reales Leben preisgeben? Wem erzählt man was? Wie bewegen wir uns im Jahr 2020 im Internet? “Sie haben dabei nicht nur die Chancen gesehen, sondern auch die Risiken beleuchtet und überlegt, wie sich der Umgang mit unseren digitalen Identitäten in den nächsten zehn Jahren ändern könnte”, lobte Rogall-Grothe die Teilnehmer des Wettbewerbs. Sechs Beiträge wurden prämiert. Das Mitmachen hat sich für die Preisträger gelohnt: Für ihre kreativen Einsendungen bekamen sie vom Vorstandsvorsitzenden des Vereins “Deutschland sicher im Netz”, Professor Dieter Kempf, und den Sponsoren des Wettbewerbs attraktive Preise überreicht.
In den beiden Kategorien “14-19 Jahre” und “20-26 Jahre” wurde jeweils der 1. bis 3. Platz vergeben. In Form von Kurzgeschichten, Comics oder Filmen wurden Vor- und Nachteile des Lebens mit dem Internet kritisch beleuchtet. Mit einem strahlenden Siegerlächeln nahmen Gowryrahm Mohan und Deryan Türkkan aus Hückeswagen einen Gutschein über 2500 Euro für den 1. Platz in der Kategorie der älteren Teilnehmer entgegen. Die beiden Jugendlichen aus Nordrhein-Westfalen hatten in einer technisch aufwendigen Videoproduktion die Möglichkeiten des virtuellen Lebens beleuchtet. Trotz der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten des Internets waren sich die Teilnehmer dennoch darüber einig, dass reale Kontakte und Beziehungen auch in Zukunft nicht durch die Allgegenwärtigkeit von Technik und Virtualität ersetzt werden können. Fussball spielen könne man eben doch nur so richtig in der realen Welt – das könne auch kein Online-Spiel ersetzen.
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